St. Kilian Kirche zu Dankmarshausen

 

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Schon seit alters her besaß Dankmarshausen eine kleine Kirche. Von diesem alten
Bau lassen sich keine Spuren mehr finden. Nach mündlichen Überlieferungen soll
eine kleine Kapelle in der Nähe der "Drei Linden" gestanden haben. Diese Bäume
sind uns aus der Sage "Die drei Linden bei Dankmarshausen" bekannt. In der Sage
wird unter anderem von dem Bau einer kleinen Kapelle um 1224 berichtet. Es wird
auch ein vermeintlicher Standort angegeben, die Straße nach Großensee/Kleinensee
einerseits und Bosserode andererseits, wo jene das mittelalterliche Dorf verließ.
Wo aber war die Straße und wo endete das Dorf ?

Nach einer weiteren mündlichen Überlieferung, suchten noch bis zum Dreißig-
jährigen Krieg viele Kranke dort Linderung ihrer Leiden. Im Krieg soll sie dann
durchziehenden Söldnern zum Opfer gefallen sein. Zu vermuten wäre aber auch,
daß die Kapelle abgebrochen wurde, nach dem um 1530 Landgraf Philipp der
Großmütige, den Befehl erließ, alle aus katholischer Zeit stammenden
Wallfahrtskirchen und Kreuzwegstadionen zu beseitigen.

Eine andere kleine Kirche oder Kapelle soll im Kuhgraben (heute Schulstraße)
gestanden haben. Ein Rest von einem aus Bruchsteinen gemauertem Rondell ist
heute noch erhalten. Es steht zwischen dem Schloßgrundstück und der Schule.
Hier könnte man sich vorstellen, daß auf dem aus kleinen Bruchsteinen
gemauerten Fundament, ein mit Lehm ausgeworfenes Holzfachwerk stand.
Unmittelbar neben dem Rondell fand man 1909/10 als die Schule gebaut wurde,
einige menschliche Knochen. Auch Ende der 1970iger Jahre als man Erdarbeiten
auf dem Schulgelände machte, wurden menschliche Überreste gefunden.
Nachforschungen über das Alter der Kochen ergab, daß vor 1500 hier ein
Friedhof gewesen sein muß.

Warum 1431 eine neue Kirche in unmittelbarer Nähe zu der "Alten" gebaut
wurde, kann niemand mehr sagen, denn alte Aufzeichnungen gibt es keine.
Fest steht jedoch, die dörfliche Gemeinde muß in jenen Jahren Schutz gesucht
haben, sonst hätten sie keine Wehrkirche/Kirchenburg errichtet. Für die
Wehrkirche stehen die Schießscharten im Turm. Auch die Friedhofsmauer
weißt noch Schießscharten auf. Diese Wehrkirchen und ihre Befestigungen
waren Folgen des späten Mittelalters. In diesen Zeiten zettelten aus der Not
heraus entstandene Raubritterbanden willkürliche Fehden an oder sie überfielen
durchziehende Kauf- und Handelsleute. Da Dankmarshausen ja an einer wichtigen
Handelsstraße des Mittelalters der "Kurzen Hessen" lag, mußte sich die
Bevölkerung schützen. Die Kirche mit dem Friedhof eignete sich gut für
solch einen Schutzbau, denn die gläubigen Menschen suchten hier seelischen
Beistand. Außerdem galt in der Kirche wie auch auf dem Friedhof kirchliches
Asylrecht, welches den Verfolgten und der Bevölkerung für einige Zeit
besonderen Schutz zuteil werden ließ.

In der Nacht vom 10. zum 11. Oktober 1727 bricht ein Brand im Glockenstuhl
des Kirchturms aus, verursacht durch das Ausklopfen einer Pfeife bei
Reparaturarbeiten am Gebälk des Turmes (so die mündliche Überlieferung).
Ein starker Westwind begünstigte das Feuer und hat die Flammen von Haus zu
Haus getragen. Und so ist ein Teil des Dorfes in Richtung Werra abgebrannt.

Die Baugeschichte der Kirche

Die Kirche gehört zu den ältesten und stattlichsten Gotteshäusern im Werratal.
Bemerkenswert ist die Stellung des Turmes an der Westseite dem Ostchor
gegenüber, während es bei den Dorfkirchen üblich ist, daß der Turm im Osten
über dem Altarraum steht.

DER ALTARRAUM ist der Ostchor der ehemaligen Kirche aus den
Zeiten des späten Mittelalters. Die stark gebauchten Flächen der Kappen
des Kreuzgewölbes deuten auf den spätgotischen  Stiel um die Mitte des
15. Jahrhunderts, ebenso die Kreuzblumen an einigen Diensten der Gewölbe-
rippen. Zwei von ihnen sind mit menschlichen Köpfen verziert. Auf dem
Schlußstein des östlichen Gewölbes ist das Lamm mit der Fahne dargestellt.
Auch der Stiel der Skulptur deutet noch auf das 15. Jahrhundert, ebenso die
stark nach außen  vorspringenden Strebepfeiler.

DER TRIUMPFBOGEN, welcher den Chor mit dem Hauptraum der
Kirche verbindet, hat die Form eines gedrückten Halbkreises und zeigt
keinerlei Profilierung. Der Bogen hat daher diese Breite sicher erst bei der
Erneuerung des Hauptraumes der Kirche im Jahre 1732 erhalten.

DER HAUPTRAUM (SCHIFF). Die Wände des Hauptraumes
sind mit zweigeschoßigen Emporen bedeckt, die auf schlichten,
vierkantigen Pfeilern ruhen. Die Decke des Schiffes zwischen
den Emporen der beiden Längswände ist ein kunstloses
Tonnengewölbe aus Brettern.

DAS LESEPULT, ist mit einigen gedrehten Leisten verziert,
deren Form auf das 18. Jahrhundert hinweist.


         (Photo um 1910)
DIE KANZEL, zeigt Formen des späten Barockstils, der
mit der Bauzeit von 1732 wohl im Einklang steht. Sie ist
aus Holz gefertigt. Den Unterbau bildet ein kannelirter
sechsseitiger Pfeiler. Die Überleitung zum
eigentlichen Hauptteil wird durch breit ausladene
glatte Gesimsprofile hergestellt. Die Füllungen des Haupt-
teils bestehen aus einer schlichter Schreinerarbeit ohne
jeden figürlichen Schmuck. Den selben Stil zeigt der an zwei
geschweiften Eisenstangen aufgehängte Schalldeckel.
   
DER TURM . Die einzige architektonische Kunstform am Äußeren ist die
mit einem Kielbogen überwölbte Türöffnung an der Westseite.

Auf dem Schlußstein steht die Jahreszahl 1431 in gotischen Minuskeln.
Doch die Bogenlinie dieses Steines steht mit der Jahreszahl nicht im Einklang.
Die Form des Kielbogens, deutet auf die Zeit um das Jahr 1500 oder
noch später. Auf einem anderen Stein desselben Bogens sind die
sächsischen Kurschwerter und das Rautenkranzwappen zwischen zwei
Blumen dargestellt. Die Umrahmung der Tür zeigt Formen der
Renaissance aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts; sie
steht im Einklang mit der Jahreszahl 1586. Möglich, daß erst um diese
Zeit die Umrahmung hergestellt ist und das dabei für den Schlußstein
ein älterer Stein verwendet wurde. Die ebenfalls in den Rahmen der
Tür angebrachte Jahreszahl 1731 bezieht sich auf den Neubau des
Hauptraumes und die Zahl 1948 auf die Restauration der Kirche.

Die Namensabkürzungen zu den einzelnen Jahreszahlen an der Eingangstür stehen für:

C.  Sc.  =  Conrad Schurstein  1586

C.  F.   =  Conrad Fichtner      1731

A. F.   =   Adam Frank           1948

                              

 

Das übrige Mauerwerk ist kunstlos mit ein paar ehemaliger Schießscharten.
Der obere Teil des Turmes besteht aus Holz und gehört zu den Bauarbeiten
von 1732. In diesem befinden sich die Glocken und der Mechanismus für die
Turmuhr. Darauf folgt eine flache, vierseitige Schweifkuppel, aus der ein niedriger,
achteckiger Turm mit Schweifkuppel herauswächst.

Das Innere des Turm`s bildet die Vorhalle zum Hauptraum der Kirche und
dient seit 1948 gleichzeitig als Gedächtnisraum für die Teilnehmer am Krieg
1870/71 und der Gefallenen beider Weltkriege. Der Raum ist mit einem
halbkreisförmigen Tonnengewölbe bedeckt.

Die Orgel.(Hollandorgel)

Das Gehäuse auf der oberen Empore an der Westseite,
ist mit einigen Schnitzereien aus der Zeit des
Barockstils verziert. Es sind wahrscheinlich Arbeiten
aus der Wiederaufbauzeit von 1732. Im
Jahre 1871 ist die Orgel fast vollständig
erneuert worden. Die nächste große
Renovierung erhält die Orgel 1965.
Sie war stark vom Wurm befallen und mußte
vollständig demontiert und gereinigt werden.
Ihre letzte Teilrenovierung erhielt die Orgel 1998.

2003 - 05

Sicherung und Sanierung des Kirchturm`s

Die anfänglich kleinen Stellen am Turm, wo sich der alte vor ca. 100 Jahren
aufgebrachte Putz löste, brachten den Stein ins rollen. Der Turm muß
saniert werden!

Am 7. Mai 2003 wird das Gerüst gestellt und ab dem 12. Mai beginnen
einige Gemeindemitglieder um Fritz Eisenberg (Kirchenältester und
Organisator der Sanierungsarbeiten) mit dem Abschlagen des Putzes
in Eigenleistung. Was die Männer unter dem Putz an Bausubstanz
vorfinden, ist in einem so schlechten Zustand (viele Risse im Mauerwerk),
daß umfangreiche Sicherung- und Sanierungsarbeiten anstehen werden.

Zustand des Kirchturmes

Nun muß erst einmal ein Statikbüro ein Gutachten über die Standfestigkeit des Turmes
anfertigen. Ein beauftragter Architekt, hat einen vorläufigen Kostenvoranschlag von ca.
100.000 € für die Stabilisierung und für ein neues Verputzen des Kirchturm`s veranschlagt.
Die Aussichten auf Gelder von den Denkmalpflegeämtern des Land Thüringen stehen schlecht,
es können keine Mittel frei gemacht werden. Auch die Aussichten von anderen Stellen Geld
zu bekommen sind nicht rosig und so ist das Pfarramt auf Spenden der bürgerlichen Gemeinde,
der Kirchgemeinde und auf Sponsoren angewiesen.

Im Rahmen der steinrestauratorischen Untersuchung wurden auch gleich
die gefundenen historischen Putzreste zwischen dem Kirchenschiff und dem
Turm lokalisiert. Alle Putzfunde sind nicht jünger als von 1731 / 32. Das heißt,
daß die ältesten Befunde aus der Zeit des späten Mittelalters stammen
bzw. Renaissancecharakter haben.

Zustand und Schäden

* Die Turmwände sind im Untergeschoß 1,50m dick und verjüngen sich nach
oben in den Deckenebenen bis auf 1,10m. Ebenfalls besteht das Mauerwerk
aus zwei, einer inneren und einer äußeren Wand (zweischaliges Mauerwerk),
der Hohlraum dazwischen wurde mit Geröll ausgefüllt.
* Die Wände sind aus schlechtem Sandstein und mit Kalkmörtel gemauert.
- die Steine zeigen erhebliche Abschalungen und Bröckelzerfall.
* Das Mauerwerk weist bedenkliche statische Schäden auf (deutlich sichtbare Risse).

Anstehende Arbeiten am Turm.

* Es müssen 6,680 m³ Sandstein gereinigt werden.
-die Reinigung erfolgt im Wirbelstrahlverfahren
* Steinergänzungen müssen ausgeführt werden.
- Ausbau des tiefgründig verwitterten Mauerwerks.
* Schließen der Risse im Mauerwerk.
- Einbau von Nadel- und Verbundankern.
* Erneuerung des Außenputz am Kirchturm mit anschließender Farbgebung.

Nordseite                                               Westseite                                             Südseite

Die Bohrlöcher für die Ankerkanäle, werden durch ein drehendes Bohrverfahren
und einer Luftspülung in das Mauerwerk getrieben. Die Risse werden durch
Vernadlungen, umlaufenden Verankerungen und durch Verpressungen in den
Wänden fixiert, und mit Spritzmörtel verfugt, um weitere Rissbildungen zu vermeiden.

Die Zuganker, die eingesetzt wurden, sind 9,00 m lang und die Nadelanker sind
in Einzellängen von 1,00 m bis 4,00 m eingesetzt worden (siehe Zeichnungen).

Hier noch einmal die Konto-Nr. für eventuelle Spenden:

Raiffeisenbank

Ronshausen - Hönebach - Marksuhl e.G.

Konto-Nr.: 200806749            BLZ: 53262455

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Eine Zusammenstellung von Uwe Schäder.